„Wir haben eine geile Truppe“

Freiwillige Feuerwehr leistet tausende Einsatzstunden

Text und Bild von: Antje Holsten-Körner

Die Freiwillige Feuerwehr Sottrum rückte 2025 zu 116 Einsätzen aus. Ein Wohnhausbrand zu Neujahr 2025 blieb die größte Herausforderung des Jahres.

Unchristliche Arbeitszeiten, Einsätze bei jedem Wetter, nicht planbar und das alles ohne Bezahlung – mit dieser Stellenausschreibung kann man wohl niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Und trotzdem sind 585 Mitglieder in den 15 Ortswehren der Samtgemeinde Sottrum aktiv.

Im vergangenen Jahr wurden sie zu 116 Einsätzen alarmiert. „Das ist exakt dieselbe Anzahl wie im Vorjahr“, rechnet Gemeindebrandmeister Björn Becker vor, der zusammen mit seinem Stellvertreter Florian Laue Bilanz für das abgelaufene Jahr zog. Während 2024 der Schwerpunkt mit 70 Einsätzen auf Hilfeleistungen lag, war das Verhältnis zwischen Brand- und Hilfeleistungseinsätzen dieses Mal fast ausgeglichen. Am häufigsten mussten die 51 aktiven Brandschützer der Sottrumer Wehr ausrücken, gefolgt von den Freiwilligen Feuerwehren Ahausen (16) und Stuckenborstel (14). „Jede Wehr war mindestens einmal dabei“, so der Gemeindebrandmeister.

Über dreitausend Einsatzstunden

Insgesamt summierten sich die Einsatzstunden auf 3 135. Das Jahr 2025 war gerade etwas über zwei Stunden alt, als die Wehren zu einem Wohnhausbrand an die Sottrumer Mahlerstraße gerufen wurden. Das sollte sich als die größte Herausforderung des ganzen Jahres herausstellen. „Der starke Wind trieb das Feuer in Richtung Nachbarbebauung“, erinnert sich Florian Laue. Daher war, nachdem sich die Personen in Sicherheit befanden, oberste Priorität, das Holzhaus in der direkten Nachbarschaft zu schützen. „Glücklicherweise waren es nicht so eisige Temperaturen wie derzeit, sonst hätten wir mit Eiswürfeln werfen müssen“, sagt Becker schmunzelnd.

Doch nicht nur das Löschwasser könnte bei Frost in den Schläuchen gefrieren, auch Glätte stellt eine Gefahr für die Einsatzkräfte dar. Am letzten Tag des vergangenen Jahres mussten tatsächlich Vorkehrungen getroffen werden, um einen Gefahrenpunkt zu vermeiden. „Als eine Hecke am Gymnasium brannte und im Anschluss das Löschwasser auf dem Pflaster gefror, wurde durch die Bereitschaft des Sottrumer Bauhofs die Fläche abgestreut“, freut sich Laue über die gute Zusammenarbeit. Außerdem gab es an Silvester um 17.38 Uhr noch eine Alarmierung für die Wehren aus Ahausen und Eversen zu einem brennenden Wohnhaus in Kirchwalsede, das sich jedoch als Gartenhaus herausstellte. Nur eine kurze Pause war den Freiwilligen Feuerwehren in der Samtgemeinde vergönnt, denn am Neujahrsmorgen um 3.30 Uhr brannte am Hassendorfer Jeeweg ein Dixi-Klo.

Auch außerhalb des Einsatzgeschehens haben die Wehren der Samtgemeinde einiges bewegt. Dazu gehört die neue Homepage feuerwehr-sottrum.de. „Maßgeblich daran beteiligt waren Volkhard Thron und Timo Finke“, lobt Florian Laue das Engagement seiner Kameraden. Beteiligt sind ebenfalls die Ortswehren, die die Seiten mit Leben füllen. Neu ist auch der WhatsApp-Kanal, in dem laufend über die Einsätze berichtet wird. „Heute haben wir schon 666 Abonnenten“, freut sich Björn Becker. Auch hieran hat Timo Finke von der Freiwilligen Feuerwehr Hassendorf einen großen Anteil. „Ohne Leute, die motiviert sind und Lust dazu haben, würde alles nicht so gut laufen“, hebt der Gemeindebrandmeister hervor.

Spaßfaktor als großes Zugpferd

Dazu zählt er unter anderem die Ausbilder und die Mitglieder der Einsatzleitgruppe. Überhaupt sieht der 49-Jährige den Spaßfaktor als großes Zugpferd bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Wir haben eine geile Truppe. Mit den Leuten ist es halb so wild, mitten in der Nacht aufzustehen“, sind sich Becker und Laue, die sich hervorragend verstehen, einig. Das Vertrauen untereinander ist so groß, dass auch unbeaufsichtigt Zutritt zu Privathäusern gewährt wird, um wichtige Unterlagen zu holen. „Unser Hund Tara freut sich sogar, wenn Florian zu ihm kommt“, verrät Björn Becker.

Tara wird aber in Zukunft sicherlich nicht mehr so häufig Besuch vom stellvertretenden Gemeindebrandmeister erhalten, denn alle Unterlagen sollen im neuen Schulungs- und Logistikzentrum verwahrt werden, das fast fertiggestellt ist. Das Verwaltungsgebäude mit integrierter Halle, in dem früher ein Unternehmen für Büroartikel untergebracht war, lässt die Herzen der beiden Kommandomitglieder höherschlagen. „Es wurde das Optimum herausgeholt“, so Becker. Im Gebäude sind nicht nur die drei Fahrzeuge untergebracht, sondern auch eine Atemschutzpflegestelle, eine Kleiderkammer, ein Funkraum für Großschadenlagen, ein Schulungsraum und ein Abhollager. Dieses ist rund um die Uhr für alle 15 Ortsbrandmeister zugänglich, sodass jederzeit Material abgeholt werden kann. „Das ist sehr ehrenamtsfreundlich“, sagt der Gemeindebrandmeister.